T-962 kein schlechter SMD-Reflow-Ofen – zumindest nach Hack

SMD-Bauteile lassen sich grundsätzlich selbst von Hand einlöten, aber hier sind meines Erachtens nach gewisse Grenzen. Die Teile und Pinabstände werden immer kleiner, und besonders kleine und damit leichte Teile schiebt man beim Einlöten mit einem Lötkolben leicht weg – kein einfacher Vorgang also.

Auf der Suche nach einem bezahlbaren Hobby-Reflow-Ofen stieß ich auf den T-962 bzw. T962. Ein ziemlich günstiger Ofen aus China, den man bequem und trotz der Ferne sehr schnell Singapur bei Ebay bestellen kann. Für unter 180 € erwarb ich einen solchen Ofen, der innerhalb von 3 Werktagen (offenbar aus einem Lager aus Deutschland) geliefert war!

So, wie der Reflow-Ofen out-of-the-box geliefert wird, sollte er auf keinen Fall in Betrieb genommen werden!

Warum?

  1. Er enthält jede Menge seltsames, nicht-hitzebeständiges Klebeband im Inneren und stinkt daher extrem bei Temperaturen von mehreren 100°C – Ich bekam direkt Kopfschmerzen nach wenigen Sekunden Betrieb.
  2. Das Gerät ist nicht korrekt geerdet – der Schutzleiter hat keinen korrekten Kontakt zum Metallgehäuse!
  3. Die installierte Software „ab Werk“ ist ziemlich schlecht und könnte mehr aus dem Gerät herausholen.
  4. Der Temperaturverlauf beim „Backen“ ist nicht optimal (siehe neue Software weiter unten) und die Lüfter viel zu laut.

Die gute Nachricht:
Diese Mängel lassen sich alle recht leicht beheben. Und das geht jeweils so:

  1. Öffne das Gerät im ausgeschalteten Zustand, ohne Stromversorgung, und tausche das weiße Klebeband gegen hitzebeständiges Kaptan-Klebeband (muss nicht das Original sein). Zum Öffnen des Gerätes die Schrauben auf der Rückseite lösen und das Gehäuse vorsichtig aufziehen – dabei die zwei in bzw. oberhalb der geöffneten Schublade nicht vergessen zu entfernen:T-962 Schrauben lösenT-962 Schrauben lösen
  2. Prüfe den Schutzleiter, ob er überhaupt Kontakt zum Gehäuse hat. Entferne ggf. den Lack auf dem Gehäuse und messe es mit einem Messgerät nach.
  3. Lade dir eine neue und bessere Firmware hier herunter und übertrage sie mit Hilfe dieser Anleitung mit einem USB-Adapter wie diesen auf den Ofen. Die Anleitung die dort für Windows steht, habe ich nicht getestet; die für Linux läuft auch unter Mac OS X problemlos. Der Vorgang sieht währenddessen ungefähr so aus:T-962 flashenT-962 flashen, FTDI-USB-Adapter

    T-962 flashen, FTDI-USB-Adapter
    Wichtig: Der Jumper muss auf 3.3 Volt stehen!

Wenn die neue Software (Firmware) übertragen wurde, kann der Ofen weiter gepimpt werden und ein Temperatursensor DS18B20 zusammen mit einem 4,7 k Ohm-Widerstand eingebaut werden. Das sieht dann so aus – und ja, der Temperatursensor arbeitet wirklich mit nur einem Pin(!):

T-962 Erweiterung um 1-Wire-Sensor DS18B20 und 4,7 k Ohm-Widerstand

T-962 Erweiterung um 1-Wire-Sensor DS18B20 und 4,7 k Ohm-Widerstand

T-962 Erweiterung um 1-Wire-Sensor DS18B20 und 4,7 k Ohm-Widerstand

T-962 Erweiterung um 1-Wire-Sensor DS18B20 und 4,7 k Ohm-Widerstand

T-962 Erweiterung um 1-Wire-Sensor DS18B20 und 4,7 k Ohm-Widerstand

T-962 Erweiterung um 1-Wire-Sensor DS18B20 und 4,7 k Ohm-Widerstand

Das war’s!

Sieht komplizierter aus als es ist, und der Aufwand lohnt sich meiner Meinung nach. Mit dem Standardprofil und einer Handvoll Test-Bauteilen sieht das ganz so aus:

SMD-Platine mit dem T-962 gebacken / reflowed

SMD-Platine mit dem T-962 gebacken / reflowed
Mein allererster SMD-Backversuch mit grober Lötzinn-Verteilung per Hand zuvor

 

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7 Gedanken zu „T-962 kein schlechter SMD-Reflow-Ofen – zumindest nach Hack“

  1. Hallo Markus,

    deine Ausführungen sind sehr interessant. Auf Grund deines Berichtes hab ich mir den Ofen mal bestellt (eigentlich ist es ja Krank sich etwas zu kaufen, von dem man weiß es taugt nichts). Erschreckend für mich war, das alle deine aufgeführten Mängel tatsächlich immer noch so vorhanden sind. Erschreckend deshalb, weil die Mängelberichte im Netz ja nicht erst zwei Tage alt sind, es der Hersteller, der
    diese mit Sicherheit auch kennt, nicht einsieht hier was ändern zu müssen.
    Na ja China halt.
    So zum eigentlichen: ich habe das Teil gekauft weil ich zu dem Preis so ein Gehäuse nicht bekommen kann, ich wollte
    eigentlich den Ofen komplett neu bestücken (elektronisch und steuerungstechnisch).
    Dank eurer Vorarbeit ist das ja eigentlich nicht mehr notwendig, vielen Dank schon mal dafür.
    Was mich interessieren würde, hast Du in deinem Ofen exakt die .hex von obigem Link benutzt?
    Und gibt es da irgendwo Bilder wie nach dem Hack das Display ausschaut?
    Die wichtigste Frage von allen, hat der Hack problemlos funktioniert so das Du für dich zufrieden bist?
    Es wäre schön wenn Du mir antworten würdest, ich möchte mich euch bei diesem Projekt anschließen.

    Gruß von Jörg

  2. Hi Jörg,

    danke für dein Feedback. Ja, ich habe die Original-Firmware von oben genommen.

    Hier kannst du sehen, wie die GUI nachher aussieht:
    https://github.com/UnifiedEngineering/T-962-improvements/wiki

    Das Ganze ist ja nicht meine Erfindung; aber ich dachte eine deutsche Anleitung wo alles einigermaßen zusammengefasst ist, bringt dem einen oder anderen (wie dir) etwas. :)

    Wie du auf den Bildern siehst, ist das Ergebnis ganz überzeugend – wenngleich ich leider bisher keine Zeit fand, endlich mal die echte Platine zu „backen“… Der Nachwuchs fordert seine Zeit….

  3. Hallo Markus,

    hier ein Nachtrag zum Kommentar vom 26.12.2016.
    Ich habe mittlerweile den Ofen auf den Stand gebracht der hier beschrieben wurde. Vielen Dank nochmal an diejenigen die sich hier schon viel Arbeit gemacht haben. Wer jetzt aber denkt, der Ofen wäre dadurch brauchbarer, der irrt gewaltig. Das Gerät taugt (auch mit der neuen Software) höchstens zum ungenauen löten von sehr kleinen Platinen und das auch erst nach sehr vielen Fehlversuchen.
    Ich habe mir mal die Mühe gemacht das Gerät ganz genau unter die Lupe zu nehmen, dazu gehörte auch die Aufnahme der Temperaturkurve.
    Hier besteht (bei meinem Exemplar, alle Angaben beziehen sich verständlicherweise immer nur auf mein Gerät) ein nicht vernachlässigbarer Unterschied von bis zu 38°.
    Was hier auch nicht wirklich nachvollziehbar ist, ist die
    Tatsache, das wahrscheinlich die Temperaturfühler nicht
    auf das Gerät angepaßt wurden. Es wäre hilfreich wenn man wüßte um welchen Typen es sich hier überhaupt handelt.
    Beispiel : bei gemessenen 100° zeigt die Anzeige des Ofens schon mal die Kleinigkeit von 138°. Nach oben hin wird es dann etwas besser, bei einer Temperatur von 230° zeigt die
    Anzeige hier „nur“ noch 251°. Das könnte man ja noch selbst in den Griff bekommen, ist etwas Fleißarbeit, würde aber noch gehen. Was hier allerdings nicht mehr recht gehen will ist ein Lötformat von einem Euroformat, was ja schon mehr als sehr deutlich vom angegebenen Lötformat des Gerätes (nach unten hin) abweicht. Eine einigermaßen brauchbare
    Temperaturverteilung ist hier überhaupt nicht möglich.
    Nach den Messungen wollte ich natürlich wissen, woran
    hängt das denn. Ganz egal was man hier anstellt das Ergebnis bleibt im Großen und Ganzen, dezent ausgedrückt,
    bescheiden. Also das Gerät komplett zerlegt, wirklich komplett, mit Wolle raus und allem, so das wirklich nur noch Einzelteil hier liegen.
    Dann fangen wir mal an:
    Es ist schon ein ziemlicher Unsinn zwei separate Temperatureinstellung vornehmen zu können, wenn die beiden verbauten Heizelemente in Reihe geschaltet sind.
    Es heizen immer beide mit der gleichen Leistung. Die gesamt
    Heizleistung von 800W zweifle ich an dieser Stelle auch sehr stark an.
    Genau so unsinnig sind in dem Fall zwei getrennte Temperaturfühler, beeinflussen kann man sowieso fast nichts.
    Da ja jetzt mein Gerät sowieso schon auseinander gerupft ist, werde ich mir (sobald ich Zeit dazu habe), die Software und die Leiterplatte vornehmen um mal nachzuschauen ob es grundsätzlich ohne einen Mords Aufwand möglich wäre ein zweites Heizelement ansteuern zu können. Sollte das
    nicht gehen muß wahrscheinlich ein separates Schaltelement für zwei andere, passende Heizelemente, verbaut werden.
    Nicht das hier jemand auf falsche Gedanken kommt, mir war von Anfang an klar daß das Gerät nichts taugt und ich selbst hier Hand anlegen muß. Ich war auch von Anfang an bereit mir die Arbeit eines Komplettumbaus anzutun, mit
    der Neuerstellung einer neuen Software. Ich habe mich hier
    eingeklinkt um mir eventuell etwas Arbeit sparen zu können, ob das gelingt werden wir sehen.
    Es wäre nett wenn auch andere hier Ihre Erfahrungen mit
    dem China Teil kund tun würden.

    Fazit: wenn sich jemand diesen Ofen zulegen möchte, sollte
    er wissen auf was er sich einläßt. Das Gerät taugt im
    Auslieferungszustand nichts, mit etwas Arbeit und auch Zusatzinvestitionen kann man schon was brauchbares daraus machen, was auf jeden Fall noch günstiger ist als ein fertiges, funktionierendes Gerät.

    Danke nochmal an Markus der sich die Arbeit mit dieser Plattform gemacht hat.

    LG
    Jörg

    1. Wow Jörg, danke für deine ausführlichen Kommentare und die noch ausgiebigeren Tests. Das klingt ja alles doch eher enttäuschend.

      Den Teil mit den Sensoren hatte ich noch nicht ganz verstanden – zumal doch laut Original-Beitrag/Umbau genau das der Einbau des DS18B20 lösen sollte? Oder zumindest verbessern?

      Wie dem auch sei, bin gespannt, wie es weitergeht und hoffe das es noch jemandem hilft. Für mich reichte das Ergebnis bisher – aber mir ging es tatsächlich auch nur um kleine Platinen. Also wesentlich kleiner als Euro-Format.

    2. Danke Markus für die ausführliche Anleitung! Hat alles gut geklappt.

      Jetzt warte ich nur noch auf das Klebeband (Chinesisches Neujahrproblem).

      Bezüglich der Temp Sensoren kann ich in der aktuellen Version (V051) der Software im Setup Korrekturen eingeben. Vielleicht hilft das.

      Noch eine Sache wegen der Schutzerde: Es reicht meiner Meinung nach nicht, den bestehenden Gehäuseanschluß zu entlacken, da die Schraube im Plastik des Steckers endet. Dieses Plastik könnte brechen und die Erde ist lose.

      Ich habe ein eigenes Loch geboht und ne Schraube mit Zahnscheibe unter dem Anschluß eingebaut.

      Viel wichtiger ist aber folgendes: Der obere Teil des Gehäuses ist auch isoliert durch den Lack! Die Schrauben, die den Deckel halten liegen genau so auf dem Lack auf. Erde ist nicht sichergestellt!

      Ich habe die Löcher im Deckel mit einem Flachsenker vom Lack befreit. Eine Zahnscheibe unter der Schraube stellt den Kontakt her.

      Auf Wunsch hätte ich Bilder davon. Dann bräuchte ich aber Deine Mail.

      Viele Grüße

      Alexander

  4. Noch ein Nachtrag:

    Eine Kontrollmessung ergab, dass die Schrauben, die den Trafo halten auch isoliert stehen. Sie sind aber im inneren mit dem Trafo leitend verbunden.

    Auch hier sollte man nacharbeiten. Ein Kurzschluss im Trafo kann vorkommen. Ein Erdschluss auch. Dann würden die Schrauben Netzspannung führen!

    Viele Grüße

    Alexander

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